Geburtsvorbereitung

Vorbereitung auf die Geburt

Heute stehen uns viele Möglichkeiten und Methoden zu Verfügung, um uns auf die Geburt vorzubereiten.

Geschichte der Geburtsvorbereitung

Mit der Verlegung der Geburten in die Krankenhäuser entstand ein Informationsbruch zwischen Müttern und ihren Töchtern. Das Wissen über Geburt wurde nicht mehr von den Müttern an die werdenden Mütter weitergegeben. Geburt wurde nicht mehr als Teil des Familienlebens miterlebt und die Frauen kamen unvorbereitet in die Klinik.

Auch lag die Betreuung nicht mehr bei den Müttern bzw. Frauen der Familie. In dieser Zeit gingen die Schwangeren oft spät bzw. unregelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen, so dass es nicht sicher war, dass die schwangeren Frauen Informationen von den Ärzten und Hebammen erhielten. Es entstand ein Klima von Nicht-Wissen und Verunsicherung.

Angefangen hat die Geburtsvorbereitung mit dem Arzt Dr. Dick-Read, der Ende der 50iger Jahre eine Methode entwickelte, die Informationen und Entspannungstechniken beinhaltete.

Er ging davon aus, dass Frauen, die den Geburtsverlauf kennen und gelernt haben, sich bewusst zu entspannen, dann keine Angst vor und während der Geburt haben.

Er verwies auf die Angst-Schmerz Spirale: Je mehr Angst die Frau hat, desto mehr wird sie sich verkrampfen und mehr Schmerzen empfinden.

In den 70iger Jahren wurde die Methode von Dr. Lamaze bekannt. Er holte den zukünftigen Vater in die Geburtsvorbereitung, damit er die verschiedenen Atemtechniken für die verschiedenen Geburtsphasen lernte und die Frau bei der Geburt beim Atmen unterstützte. Die Intention dieser streng vorgegebenen Atemrhythmen war, die Kontraktion (Wehe) zu überatmen und selbst bestimmt und schmerzfrei die Geburt zu erleben.

Anfang der 80iger Jahre hatten die Bücher und Vorträge des franz. Arztes Dr. Frederick Leboyer einen starken Einfluss auf die Geburtspraktiken. Durch seine Erfahrungen, die er in Indien mit Yoga und Meditation hatte, lenkte er die Aufmerksamkeit auf das Baby als ein empfindsames und sensibles Wesen, das die Schwangerschaft und Geburt bewusst erlebt. Früher nahm man weitgehend an, dass das Baby „nichts mitbekommt“.

Eindrucksvoll vermittelte er in seinem Buch „Geburt ohne Gewalt“, wie die Babys normalerweise bei der Geburt empfangen werden: mit grellem Licht, an den Füßen aufgehangen und mit einem Klaps auf den Po. Er fragte den Leser, ob er, wenn er so begrüßt würde, sich willkommen geheißen fühlen würde. Dies hatte in vielen Kreissälen eine Veränderung zur Folge, indem man achtsamer mit den Babys umging. Das Licht wurde gedämpft, man hüllte das Baby in ein warmes Tuch und gab ihm und den Eltern Zeit zum Ankommen, das 1. Bonding.

Leboyer`s Fokus war, dass die Geburt für Mutter und Kind ein spirituelles Ereignis ist, welches Mutter und Kind gemeinsam erleben. Zusammen haben sie die Kompetenz eine Geburt zu meistern, ohne Eingriffe und Einflüsse von außen. Damit die Frau nicht von sich und ihrem Erleben abgelenkt wird, empfahl er, dass der Vater nicht bei der Geburt dabei sein sollte. Er ging zurück zu den Wurzeln und sagte, Geburt ist Frauensache. Konsequenterweise hörte er als Geburtshelfer auf. Er führte die indische Baby-Massage und die geburtsvorbereitende Methode von Atmen und Tönen in Europa ein.

Als Mutter der Geburtsvorbereitung kann man Sheila Kitzinger bezeichnen. Selbst Mutter von 6 Kindern, gab sie ihr Wissen in vielen Büchern und Seminaren weiter.

Hannah Lottrop war ebenfalls eine Pionierin und ist durch ihre Bücher „Das Stillbuch“ und „Gute Hoffnung-Jähes Ende“ bekannt geworden.

Erwähnen möchte ich hier auch Dr. Michel Odent, der inspiriert von seinem Kollegen Leboyer und dem russischen Forscher Tjarkovskij, durch den die Wassergeburt nach Europa kam, sich sehr für Hausgeburten und das Stillen einsetzt. Er hat in London ein Forschungsinstitut, in dem er viele interessante und unerforschte Zusammenhänge zwischen Schwangerschaft und Geburt und deren Auswirkungen auf das nachfolgende Leben untersucht.

Durch diese Impulse entstand in den 80iger Jahren eine Bewegung für die natürliche Geburt. Viele Geburtshäuser wurden in Deutschland gegründet, Geburtsvorbereitungskurse fanden eine weite Verbreitung und wurden von immer mehr Frauen und Paaren besucht.

Auch dies veränderte weiterhin die Praktiken in den Kliniken, die freundliche Kreissäle einrichteten und den Frauen mehr Freiheiten während der Geburt ließen, z.B.in der Wahl der Geburtsposition.

Es entstanden Aus- und Weiterbildungen in Geburtsvorbereitung, um neben den praktischen und physischen Teilen, die psychisch-sozialen Aspekte von Schwangerschaft und Geburt zu integrieren.

In den 90-iger Jahren hatte die Bewegung der natürlichen Geburt ihren festen Platz eingenommen. Parallel wurde in weiten Teilen die technisierte und medizinische Sicherheit in der Geburtshilfe ausgebaut. Durch Untersuchungen und Überwachung, versucht man von außen die Sicherheit von Mutter und Kind zu gewährleisten.

Alle Methoden haben das Ziel, dass Mutter und Kind sich sicher fühlen. Jede schwangere Frau entscheidet für sich selbst, ob sie sich sicherer fühlt durch größtmögliche technische und medizinische Begleitung oder dadurch, dass sie gestärkt wird in ihrem Selbstvertrauen und Selbstwahrnehmung ihres Körpers und im Kontakt mit ihrem Kind.

Die folgenden Methoden geben eine Auswahl wieder, damit Sie für sich entdecken, was Ihnen zusagt, wo Sie eine Resonanz empfinden und wo nicht.

Der Vorteil an der Vielzahl der Möglichkeiten ist, dass jede Frau ganz individuell nach ihren Neigungen und Vorlieben etwas für sich wählen kann.

Wenn Sie, wie unsere Mütter, einfach Fahrrad fahren, schwimmen gehen oder Treppen auf und ab steigen, tun Sie etwas genauso Gutes für sich.